Details

ISBN/EAN: 978-3-89401-788-0
Einband: gebundenes Buch
Weitere Details
Originaltitel:
Natten drømmer om dagen
Übersetzer:
Gabriele Haefs
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
272 S.
Format (T/L/B):
2.7 x 21.5 x 13.5 cm

Hersteller:
Edition Nautilus GmbH
info@edition-nautilus.de
Schützenstraße 49a
DE 22761 Hamburg


Weitere Details arrow_forward_ios

Die Nacht träumt vom Tag

Roman

22,00 €

Nicht lieferbar

Beschreibung

In den Wäldern Nordnorwegens lebt eine wilde Gemeinschaft von Aussteigern, alten Hippies, Kleinkriminellen und verkrachten Existenzen: Sune, Ende 30, hat dort sein Revier, lebt von Fischfang und Jagd, quartiert sich in leerstehenden Ferienhäusern ein, hinterlässt den Besitzern Nachrichten und streicht zum Dank dort auch schon mal eine Wand. Jan und Wanda betreiben einen Biobauernhof und gehören außerdem zu einem Netzwerk, das abgelehnten Asylbewerbern weiterhilft. Über dieses Netzwerk läuft dem verwilderten Sune eine junge Vietnamesin zu: Vale, eigentlich Minh Hai, die zwei Männer zu vergewaltigen versucht haben. Vale hat sich heftig gewehrt, einen der Männer getötet und den anderen sowie sich selbst schwer verletzt. Die Polizei sucht Vale und auch Sune, den man bei einem Bootsdiebstahl beobachtet hat. Beide müssen weg aus dem Revier Mit diesem Roman knüpft Ambjørnsen an sein fulminantes Debüt 'Weiße Nigger' an und erreicht eine neue Höhe seiner literarischen Qualität.

Über Ingvar Ambjørnsen

Ingvar Ambjørnsen, geboren 1956 in Tønsberg (Norwegen), arbeitete nach einer Setzerlehre als Gärtner und als Pfleger in der Psychiatrie und etablierte sich nebenbei rasch als einer der bedeutendsten Autoren Norwegens. Seit 1985 lebte er mit seiner Frau, der Übersetzerin Gabriele Haefs, in Hamburg. Sie übertrug auch seine Werke ins Deutsche: 1988 erschien 'Weiße Nigger' (Neuausgabe 2006), 1989 'Stalins Augen' (Neuausgabe 2003), 1990 'San Sebastian Blues', 1991 'Die mechanische Frau', 1992 'Der Mann im Schrank', 1993 'Das goldene Vakuum' und 1995 'Der letzte Deal'. 2012 erschien mit 'Den Oridongo hinauf' erneut ein Roman bei Nautilus. 2014 folgte 'Die Nacht träumt vom Tag', 2016 'Aus dem Feuer' und 2019 'Echo eines Freundes. Ein Elling-Roman'. Mit den Elling-Romanen gelangte Ingvar Ambjørnsen zu Weltruhm; die Verfilmung 'Elling' war 2002 für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert. Die Elling-Romane wurden mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet und in über dreißig Sprachen übersetzt. Ingvar Ambjørnsen ist im Juli 2025 nach langer Krankheit in Norwegen gestorben.

Leseprobe

'Ich höre sie klar und deutlich, wenn ich die frische Meeresluft einziehe und wieder ausstoße, die Stimme, die flüstert: Der Tod träumt alles, was lebt.' Ich sitze ganz still da und lausche, aber ruhig, ich weiß, was das hier ist, ich habe Elche und Rehe dicht bei der Hüttenwand erlebt, wenn das Wetter zu heftig wurde, dann kommt es vor, dass sie sich in den schmalen Streifen zwischen Regenrinne und Wand pressen, sie kratzen mit dem Geweih an den Tischen oder mit den Hufen über Fliesen und Holz. Ich tippe auf ein Reh, oder vielleicht einen Hirsch, es ist hier oben so steil und eng, und ich sitze ganz still, damit das Tier seine Ruhe hat, ich will es nicht in dieses extreme Wetter hinausjagen, es dauert nicht lange, und ich spüre das Tierherz, das dort draußen in der Dunkelheit Blut pumpt; sehe vor mir die blanken Augen, die die feuchte Dunkelheit ins Gehirn holen, und in der Fensterscheibe sehe ich das Spiegelbild des Küchenfensters hinter mir, ein schwarzes Quadrat, und ich denke, da draußen stehst du, kleiner Bruder, du kannst nicht denken und weißt nicht, dass du sterben musst, ich glaube, ganz unten in der rechten Ecke eine Bewegung zu sehen, es können die Geweihenden sein, aber dann sind es zwei Hände und ein Gesicht, das sich weiß gegen die Fensterscheibe presst, für eine kurze Sekunde, dann ist es verschwunden und ich stürze in die Küche hinüber.